beatles crossing abbey road

Es begann vor 50 Jahren – und klingt bis heute nach

Im August 1960 begannen vier noch recht unbekannte Musiker sich The Beatles zu nennen. Innerhalb weniger Jahre avancierten sie zu einer der erfolgreichsten Bands der Musikgeschichte. Grund genug für die Welt, um im Jahr 2010 einen Blick zurück zu werfen auf dieses beinahe mythische Gründungsereignis vor einem halbem Jahrhundert.


Der Stuttgarter Fotograf und Beatles-Fan Josh von Staudach nahm das Jubiläum zum Anlass, um sich auf eine fotografische Spurensuche zu begeben. Er bereiste jene Orte in Liverpool und London, an denen die Musiker gelebt und gearbeitet hatten.

Dabei hatte er einige Fragen an die Fotografie im Allgemeinen und die Vergangenheit im Besonderen im Gepäck: Kann die Fotografie, nach Roland Barthes ein Medium der Erinnerung, auch dem Gedächtnis eines Ortes auf den Grund gehen? Und was blieb von den Fab Four nach dieser langen Zeit an den Plätzen ihres Wirkens zurück?


So begab sich Josh von Staudach im November 2010 auf eine Art Pilgerreise zu den biographischen Wegmarken der Beatles. Er erkundete Stationen des privaten Lebens der Musiker, Drehorte, Konzerthallen, Zebrastreifen. Einige davon sind als Plattencover oder in Videos und Filmen zu einem Teil des kollektiven Bildgedächtnisses geworden, andere wiederum sind vor allem eingefleischten Fans ein Begriff.

Um sich seinen Motiven anzunähern wählte Josh von Staudach das Format der 360-Grad Panoramafotografie. Mit diesem bannte er den kompletten Umraum auf die Bildfläche, das Motiv ebenso wie sein Daneben und sein Gegenüber. Dabei entstanden Bilder, die ebenso dokumentarisch sind wie irreal, ebenso vertraut wie fremd. Die für das Auge ungewohnte Panorama-Perspektive verleiht den urbanen Ansichten eine Atmosphäre der Unwirklichkeit. Die vermeintlich bekannten Schauplätze erscheinen dabei seltsam fern, beinahe komprimiert und entfalten eine an Bühnenbilder erinnernde suggestive Theatralik.


Auch die alltäglichen Zeichen der heutigen Zeit wirken, durch die Fotoserie ins geistige Umfeld der Beatles versetzt, beinahe fremdartig. Sie markieren keinen Zustand sondern verweisen auf die Veränderungen, welche die Welt in den vergangenen 50 Jahren durchlaufen hat. Die Fotografien sind somit dem Augenblick ebenso verhaftet wie einer vergangenen Realität und erscheinen als Schnittstellen zwischen dem historischen Erinnern und dem heutigen Erleben. Mit ihrem melancholischen Duktus – der Menschenleere, der winterlichen Stimmung – erinnern die Bilder an Stillleben, die das Verstreichen der Zeit widerspiegeln, obwohl sie der Zeit gleichsam enthoben zu sein scheinen.



(Text: Vivien Sigmund)

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